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Wie sieht die Zukunft des ICO-Marktes aus?

24th Februar 2019 by Alexander Vollet

In den Jahren 2015 bis 2017 war der ICO-Markt (Initial Coin Offering) weltweit ein boomender Markt. Zigtausend Start-ups – zumeist mit Blockchain-Projekten – sammelten weltweit Milliarden ein, um sich zu finanzieren. Die Goldgräberstimmung kam Anfang 2018 zu ihrem Höhepunkt, was daran zu ersehen war, dass viele ICOs ihre Coins innerhalb von kürzester Zeit platzieren konnten und dass diese Coins, sofern sie an Kryptobörsen gehandelt wurden, stark steigende Preise erzielten.  

Doch ab dem 2. Quartal 2018 war der Boom plötzlich zu Ende. Die Finanzmarktaufsichtsbehörden (SEC, BaFin, Finma etc.) veröffentlichten Kauf-Warnungen und führten eine Anmeldepflicht ein, da sich die Anzahl der angeblich betrügerischen ICOs stark beschleunigte. Einige Länder – wie China oder Südkorea – verboten ICOs komplett. Zum anderen rutschte der Bitcoin, die bekannteste Kryptowährung, dramatisch ab, mit dem Resultat, dass „Investoren“ plötzlich Geld verloren. Hier stellt sich die Frage, ob man wirklich von Investoren oder Spekulanten sprechen sollte?

Dies war der Beginn, wo die Geschäftsmodelle kritischer beäugt wurden, was dazu führte, dass viele Unternehmen ihre Coins nicht mehr platzieren konnten. Dies wiederum hatte den Effekt, dass Projekte nicht fertiggestellt werden konnten und somit nicht mehr erfolgreich waren, weil die Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Das bis dahin investierte Geld war somit verloren.

Doch ein Investment in einen ICO ist wie ein Investment in ein Startup als ein Wagniskapital oder Risikokapital (Venture Capital) einzustufen. Bei solchen Investments erwarten professionelle Investoren von 10 Investitionen im Durchschnitt 6 Pleiten, 3 OK-Investments und im best-case Szenario 1  Highflyer. Die Presse sowie geschädigte Investoren betrachteten diesen Geldverlust aber oft einfach als Betrug, was es aber nicht zwingend sein musste.

Noch einige Worte zu Europa, wo der anfängliche Boom völlig verschlafen wurde. Erst in der zweiten Hälfte von 2017 wagten sich erste Unternehmen mit ICOs aus den Startlöchern. Also zu einem Zeitpunkt als sich der Höchstpunkt des Marktes schon beträchtlich näherte. Aber trotzdem schafften es einige, noch 2-stellige Millionenbeträge einzusammeln. Ab April 2018 schaffte es dann aber kein Unternehmen mehr. In der Zwischenzeit hat Europa jedoch viel in Richtung Pro-Kryptoanwendungen getan.

Wie geht es nun weiter mit dem ICO-Markt?

Der ICO-Markt wie wir ihn in den letzten Jahren kennen gelernt haben, werden wir so sicherlich nicht mehr erleben. Dennoch erwarten wir in den folgenden Jahren eine deutliche Wiederbelebung im Krypto- / Blockchain-Bereich, mit dem Unterschied, dass die Qualität wächst und das Unternehmen gezielt einen Security Token Offering (STO) oder einen Equity Token Offering (ETO) durchführen, was ähnliche Regularien unterliegen, wie wir es heute von Wertpapieren kennen. Besonders für Europa sehen wir große Chancen und dafür gibt es eine Reihe von wegweisenden Gründen:

  1.  Projekte werden realistischer

Die große Mehrzahl der vergangenen ICOs hatten tolle Ideen mit dem Ziel, mit dem Einsatz der Blockchain-Technologie die Welt zu verbessern. Viele der Unternehmen haben bisher aber immer noch kein fertiges Produkt, da gerade in der Entwicklungs- und Implementierungsphase es immer wieder zu Verzögerungen bis hin zur kompletten Einstellung kam und nach wie vor auch kommt. Unternehmen, denen das geglückt ist, kämpfen aktuell an Regulierungen, einer erfolgreichen Markteinführung und Akzeptanz, was  weitere, sehr teure und langwierige Hürden sind.

Heute nehmen die meisten Unternehmen jedoch Abstand vom schnellen Geld, mittels einem ICO. Der Fokus liegt nun auf  ein funktionierendes Produkt und echte Werte mit einem attraktiven Deals für Investoren mittels einem Security Token Offering (STO) oder einem Equity Token Offering (ETO). Die Risiken sind also schon bedeutend geringer geworden. Zudem interessieren sich auch zunehmend Unternehmen aus nicht Blockchain-Bereichen für STOs als Finanzierungsalternativen, so z. B. aus dem Konsumbereich, Maschinenbau, erneuerbare Energien usw. Die Produkte werden somit auch viel besser von den adressierten Investoren verstanden, was ihre Entscheidungsfindung beschleunigt.

  1.  Management endlich erfahrener

In der Vergangenheit taten sich oft 2-3 Programmierer zusammen, um eine Idee zu entwickeln, die dann über einen ICO finanziert wurde. Zusammen mit einigen mehr oder weniger erfahrenen „Advisorn“ bildeten sie das Team – also das Herzstück des Unternehmens. Oft arbeiteten sie aber gar nicht gänzlich für das Unternehmen oder gaben nur ihren Namen, um das Vertrauen von Investoren zu gewinnen und als Gegenleistung dafür kostenfreie Coins zu erhalten. Ist es also nicht klar, dass solche Unternehmensführungen letztendlich scheitern mussten?

Heute wissen die Gründer, dass die Finanzierung ein sehr zentrales Thema ist und dass man dafür ganz besondere Expertise besitzen muss. Es wird somit sehr früh bereits ein Finanzexperte involviert, der die Gründer informiert, welche Informationen Geldgeber wünschen, die in Security Token Offering oder Equity Token Offering investieren. Dieses Vorgehen ersetzt ICOs und macht STO’s sowie ETO’s nun endlich kapitalmarktfähig.

  1.  Breitere Akzeptanz bei Blockchain und Krypto

Vor ein paar Jahren wussten nur Insider, was eine Blockchain ist und was man mit ihr machen könnte. Mittlerweile wird man aber  überhäuft von Einladungen zu Blockchain-Events, ja vielfach auch schon vom Wirtschaftsministerium sowie staatlichen Start-up-Förderern. Eigene Lehrgänge, Stellengesuche von Großunternehmen sowie eine Vielzahl an Literatur runden das stark gestiegene Interesse an dieser Technologie und den Einsatzmöglichkeiten ab.  

Interessanterweise sehen mittlerweile sowohl die BaFin als auch die EZB das große Potenzial der Blockchain-Technologie besonders im Finanzbereich. Großbanken und –unternehmen gründeten eigene Abteilungen und platzierten auch schon erste Schuldverschreibungen über die Blockchain. Gerade aktuell hat die BaFin den ersten STO eines deutschen Unternehmens genehmigt.

Der nun realistische Blick auf Blockchain- und Kryptoanwendungen unterstützt das Vertrauen auch in ICOs nachhaltig.

  1.  Regulierer fordern professionelle Informationen

In der Vergangenheit wurde unter dem Begriff ICO nicht nur Coins, sondern meist  Utility-Token herausgegeben (in dem Fall ein Initial Token Offering (ITO) oder Token Sale), um eine Klassifizierung als Wertpapier zu umgehen. Trotzdem wurde oft auch eine Art Gewinnbeteiligung versprochen, also ähnlich wie bei einer Aktie. Seit knapp einem Jahr sehen das die Regulierungsbehörden nun aber anders:

Zuerst einmal ist ein Unternehmens-Token ein Wertpapier (Security), es sei denn, man beweist ihnen, dass es doch ein Utility (Einkaufsgutschein o. ä.) ist.  

Das bedeutet nun, dass der Emittent von Tokens einen Wertpapierprospekt erstellen und genehmigen lassen muss. Damit wird die Geldeinwerbung natürlich langwieriger und teurer, aber auf der anderen Seite darf der Emittent nun auch ein öffentliches Angebot durchführen und hat umfängliche, für den Kapitalmarkt notwendige Unterlagen. Die Vorteile überwiegen also deutlich!

  1.  Professionelle Investoren stark angestiegen

Die ICO-Käufer der Vergangenheit hatten oft nur den kurzfristigen Erfolg im Blick – einen Preisanstieg des Coins / Tokens. Diese sogenannten “Pump-and-Dump-Investoren” interessierten sich somit nicht für das mittel- bis langfristige Wohl des emittierenden Unternehmen. Da diese Unternehmen aber für ihr Wachstum über eine längere Zeit Geld benötigten, fanden sich, als die Preise der Coins / Tokens stark fielen, natürlich keine weiteren Investoren mehr, obwohl es auch zu dieser Zeit nach wie vor ein interessantes Projekte war. Diese Investoren waren zudem meist Privatinvestoren und keine professionellen Anleger.

Einer Analyse von IR CONSULT zur Folge gab es Anfang 2018 in Europa nur eine Hand voll institutioneller Anleger, die ICO/ITO-Unternehmen auch längerfristig begleiteten , da sie das Wachstumspotenzial sahen. Auch als Folge der nun favorisierten Security Token Offering mit kapitalmarktüblichen Dokumentationen und Folgepflichten ist die Zahl der professionellen Anleger deutlich angestiegen: aktuell zählen wir mindestens 30 in Europa. Mit der Einführung von regulierten Kryptobörsen (Schweiz, Stuttgart) wird die Akzeptanz von

Tokens weiter zunehmen. Interessanterweise interessieren sich auch zunehmend Venture Capital-Unternehmen für Start-Up Beteiligungen an ICO / ITO / STO / ETO-Kandidaten, da sich dadurch eine Risikoreduzierung ergibt.  

  1.  Security Token werden boomen

Die BaFin hat gerade (Mitte Februar 2019) einem ersten deutschen STO ihr OK gegeben.  

Das ist u. E. der Startschuss zu einer Menge an weiteren Offerings; denn die Geldbeschaffung über die Blockchain und das Internet macht den ganzen Emissionsprozess einfacher, schneller und billiger.  

Wo sonst hat ein Unternehmen die Möglichkeit, weltweit interessierte Investoren anzusprechen und für sich zu gewinnen? Wo sonst hat es die Möglichkeit, Wachstumskapital einzusammeln ohne Stimmrechte abgeben zu müssen und ohne Sicherheiten? Wo sonst kann es so flexibel sein in der Ausgestaltung der Token mit Zins- oder Dividendenzahlungen?

Als Fazit erwarten wir in der nächsten Zeit einen neuen Boom mit STO’s. Das Umfeld ist nun viel positiver auf Blockchain- und Krypto-Möglichkeiten eingestellt, die Regulierer erlauben nun auch diese innovative Art der Unternehmensfinanzierung und die Start-ups werden professioneller. Spannende Ideen und Startups gibt es genug; einzig allein fehlt die Finanzierung. STO’s bieten eine ideale Chance für Unternehmen und Projekte, ihre Finanzierungsmöglichkeiten zu erweitern und das schneller und billiger als bei manch anderen Geldquellen. Jedoch bedarf es einer intensiveren und professionelleren Vorbereitung, was aber keine große Hürde darstellen sollte, wenn man die richtigen, Krypto- und Kapitalmarkt erfahrenen Partner gefunden hat.  

Über den Autor:

Alexander VolletAlexander Vollet ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und arbeitete 8 Jahre lang als Aktienanalyst bei der Deutschen Bank, UBS und der SEB-Bank. Er besitzt die DVFA-Auszeichnung als “Investment Analyst” und die bdvb-Zertifizierung als “Unabhängiger Unternehmensberater”. 1994 gründete er IR CONSULT (www.ir-consult.de) als spezialisierte Unternehmensberatung für IPOs und fundamentale Investor Relations. Das sehr erfahrene IRC-Team hat bisher fast 100 IPOs realisiert und mehr als 100 Investor Relations-Mandate betreut. Wir sind aktive Mitglieder in der DVFA und dem bdvb und haben ein internationales Kooperationsnetzwerk aufgebaut. Seit 2017 unterstützen wir auch ICO-Kandidaten, ihr ICO/STO erfolgreich umzusetzen (www.ico-ipo.de). Alles in allem, verbessern wir die Realisierungschancen von Kapitalmarkttransaktionen, beschleunigen den Entscheidungsprozess der Investoren und besitzen ein faires Preis-Leistungsverhältnis.

Block Stocks Capital is an exclusive network of high profile Investors and pre-screened Startups & SMEs.

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